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1043: Ersterwähnung bis Ende 18. Jahrhundert

1043 wurden in einer Urkunde des Erzbischofs Bardo von Mainz

erwähnt.

Veltperg, Nantosvelta! Nantosvelta, so wurde eine Göttin der Kelten genannt. Man weiß, dass sie an besonderen Orten (Bäumen, Felsen, Quellen) ihre Götter und Göttinnen verehrten. Warum also nicht auch hier oben auf dem Berg mit seinem Quarzit-Felsen?

Eine weitere Erklärungs-Möglichkeit: Graslandschaften in Südafrika heißen „Veld“ (aus dem Niederländischen).

Brunhildisfelsen
Hansjörg Meister Der Brunhildisfelsen aus Tau­nus-Quarzit

1205

Ab diesem Jahr hätte man vom Brunhildisfelsen aus den Baubeginn der „Reiffenberger[1] Burg“ beobachten können. Mit „Cuno von Reiffenberg“ ent­stand die „Herrschaft Reiffenberg“, die 1667 ein jähes Ende fand.

Während seine Truppen die Burgen Reiffenberg und Hattstein besetzten, ließ der Mainzer Erzbischof den letzten Reiffenberger Ritter, Philipp Ludwig, in Würz­burg gefangen nehmen und zunächst auf der Festung Marienburg, später auf der Burg König­stein, einkerkern. Philipp Ludwig von Reiffenberg starb 1686 nach 18-jähriger Kriegs­gefangen­schaft. Sein Schwa­ger Graf von Bassen­heim über­nahm den Besitz.

19. - 22. Juli 1342: Das Magdalenen-Hochwasser

war das ver­heerends­te des Jahr­tausends. Zehn­tausenden Menschen in den heutigen Gebieten Deutschlands, der Schweiz und Tschechiens hat die Katastrophe das Leben gekostet. In der Terra X-Sendung „Der Rhein“, Teil 2 wurde doku­men­tiert, wie sehr gerade der Tau­nus betroffen war. Auf wochenlange Trocken­heit folgte der sint­flut­artige Dauer­regen vom 19. bis 22. Juli 1342. Das Wasser riss riesige Mengen an frucht­barem Acker­land mit. Der Boden wurde bis auf die Felsen ausgewaschen. Menschliches Mit­ver­schul­den sehe ich in der Tat­sache, dass in den Jahr­hun­der­ten zuvor fast alle Wälder ent­lang des Rheins, des Mains und auch der Moldau gerodet wurden. Wissen­schaftler schätzen, dass 13 Mil­li­ar­den Ton­nen Boden (voll­beladener Güter­zug, dessen Länge 25x um den Erd-Äquator reicht) in den wenigen Tagen der Magda­lenen­flut ver­loren gingen – mehr als ansonsten über Jahr­hunderte.

„Viele Standorte sind besonders in den unteren und mittleren Höhenlagen der Mittelgebirge bis heute nicht mehr ackerbaulich nutzbar. Erst wenn sich in der nächsten Kaltzeit erneut Löss ablagert und in der darauffolgenden Warmzeit neue Böden bilden, könnte hier wieder Bewirtschaftung stattfinden – also in gut 100.000 Jahren“, sagte der Geo­öko­loge Hans-Rudolf Bork in Terra X „Der Rhein“, Teil 2.

„Ein Drittel der gesamten Boden­erosion der letzten 1.500 Jahre vollzog sich in dieser Woche. Manche Dörfer verloren mehr als die Hälfte ihres Ackerlands.“ So steht es in „Spektrum der Wissenschaft“.

Das Wasser des Rheins stand 11,5 m über Normal. Zahl­lose Brücken wurden weg­gespült, unter anderem in Dres­den, Frank­furt am Main, Würzburg, Bamberg und Prag. Zehn­tausend Täler im Ein­zugs­gebiet des Rheins waren vom sogenannten „Schluch­ten­reißen“ be­trof­fen. Es war Juli und Ernte­zeit. Das bereits reife Getreide schwamm das Rhein­tal ent­lang. Nach Rückgang des Wassers diente es den Nagern zur Über­ernährung und zur massen­haften Vermehrung. Die Wander­ratte hatte die Haus­ratte als Über­träger des Pest­flohs abgelöst.

Pegel Magdalenenhochwasser 1342
Pegel am Eisernern Steg in Frankfurt am Main zum Magdalenen-Hochwasser 1342 Wikipedia: Magdalenen-Hochwasser 1342

In vielen Regionen war Ackerbau unmöglich geworden. Missernten und Hungersnöte folgten, die dann die Ausbreitung der Beulen­pest-Pandemie von 1346 - 1353 in Mitteleuropa verstärkte. 25 Millionen Menschen - ein Drittel der Bevölkerung - starb am „Schwarzen Tod“.

In dem Wahn, sie hätten die Brunnen vergiftet, brachte man 1349 in Köln 800 Menschen jüdischen Glaubens um.

In den kommenden Jahrzehnten gaben viele Bewohner ihre Sied­lungen in den Auen und Mittel­gebirgen auf. Auf einer Taunus­karte von 1675 erkennt man allein zwischen dem „Roten Kreuz“ und Hunoldstal 11 Wüstungen. Wieviele davon auf das Konto der Flut kommen, weiß man nicht. Die Ein­wohner­zahl der Städte wuchs stark an. Und die Menschen stellten zwangsweise ihre Ernährung um: Während zuvor vor allem Getreideprodukte auf dem Speiseplan standen, wandten sie sich nun notgedrungen dem eigentlich teuren Fleisch zu, denn Rinder und Schweine konnten selbst auf zerstörten Äckern und in den sich wieder ausdehnenden Wäldern weiden. Erst im Laufe des 15. Jahr­hun­derts normalisierte sich die Landwirtschaft wieder. (aus Spektrum der Wissenschaft)

Wüstungen von 1675
Wüstungen von 1675
(gelb hinterlegt)unbekannt

1730

Die sterblichen Überreste des Ritters Philipp Ludwig wurden in die 1710 erbaute Heilig-Kreuz-Kapelle in Ober­reifen­berg über­führt.

Die Burg steht heute noch. Sie ist vom Brunhildisfelsen aus gut zu sehen.

1763 (mit Goethe ins Präsens[2])

Der 14-jährige Johann Wolfgang Goethe wandert mit anderen jungen Leuten aus Frank­furt auf den Feld­berg. In „Dichtung und Wahrheit“ erwähnt er auch Ausflüge nach Hom­burg, Kronberg (Kroneburg) und König­stein.

1766

Zur Zeit des Siebenjährigen Krieges herrscht im Tau­nus bittere Armut. Viele Söhne suchen in den Städten nach Erwerbs­möglichkeiten.

1766 wandern ca. 20 Reifenberger Bürger / innen in die Gegend von Astrachan an der Wolga aus. Seit 1722 wirbt Zarin Katharina II Westeuropäer zur Besiedlung russischer Steppen­gebiete an. Sie verspricht ihnen Land, freie Reli­gions­ausübung, 30 Jahre Steuer­freiheit, Militär­dienst­befreiung und Selbst­verwaltung.

1783-84

Dieser Winter, und auch der fol­gen­de 1784-85, sind extrem kalt und schneereich. Im Januar ist es auf dem Großen Feld­berg bis zu -30° Grad Celsius kalt. Im Sommer zuvor war auf Island der Laki-Ausbruch. 15 km³ Lava fließen aus der Kraterreihe und verteilt sich auf einer Fläche von 565 km². 120 Mio. Tonnen Schwefeldioxid vergiftet Äcker und Weiden. Auch in Japan bricht fast zeitgleich der Asama-Vulkan aus. Für zwei bis drei Jahre verringert sich durch eine Schwefelgas-Asche-Wolke die Sonnen­ein­strahlung auf der Nord­halb­kugel der Erde. Die Folge sind Missernten in ganz Europa. Auf den ohnehin kargen Böden des Hoch­taunus waren die Ernte­ausfälle besonders hoch.

1789

Die Französische Revolution bringt unruhige Zeiten im Gebiet rund um den Großen Feldberg.

22. Januar 1792

In Bergzabern finden die ersten freien Wahlen auf deutschem Boden statt. Die Gemeinde ruft zusammen mit 31 weiteren Dörfern aus der Südpfalz die „Republik Bergzabern“ aus. Der Freistaat besteht drei Monate. Dann werden die franzö­sischen Truppen, die die neue Republik schützen sollen, von preu­ßischen und öster­reichischen Militärs über den Rhein zurück­gedrängt.

Genau so kurzlebig ist auch die „Mainzer Republik“, die von 18. März 1793 bis 22. Juli 1793 nach Vorbild der Französi­schen Revolu­tion existiert.

Die Verfassung der Mainzer Republik
Kulturelles Erbe Königstein _ Sonderzeitung 2024 _ Ort europäischer Demokratiegeschichte Festung Königstein _ Herausgegeben von Ellengard Jung

Der Versuch, Demokratien zu errichten, endet für Aktive, die nicht recht­zeitig nach Frank­reich fliehen können, zumeist im Kerker. Allein in der Festung König­stein sitzen über 300 Sympa­thi­san­ten der „Mainzer Republik“ ein. Die meisten stammen aus Frank­furt. Sie werden im Sommer 1793 über Bocken­heim nach König­stein getrie­ben. Von preußischen Sol­daten zu Pferd ange­stachelt, schlägt der Pöbel die Gefangenen mit Stöcken, bewirft sie mit Steinen und Kot. Der Mob begreift nicht, dass diese Menschen, die ihnen hier ausge­liefert sind, auch für sie Bürger­rechte und mehr Frei­heit erreichen wollten.

In Königstein stellt man fest, dass ein Mann garnicht auf den Gefangenen-Listen steht. Es ist ein Jude. Der Böbel hat ihn in den Pulk der Gefangenen getrieben und bis König­stein nicht ent­weichen lassen. Juden­hass, damals wie heute!

Frankenzeit Kaiserzeit