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1900: Erbauung des Feldberg-Aussichtsturms

Ravensteins Taunusführer
Text aus Ravensteins Taunusführer von 1900 Verlag Ludwig Ravenstein
Ravensteins Taunusführer 1900
Taunusführer Verlag Ludwig Ravenstein

1901

Unter dem Taunusklub-Präsidenten Peter Kittel kommt es zur Grundsteinlegung für den Bau eines festen Thurmes auf dem Feld­berg. Einen Saal, der 150 Ausflüglern Unterkunft bietet, und eine Türmer-Wohnung sollen darin eingerichtet werden. Die Klub-Mitglieder hatten dafür jahrelang Spenden gesammelt. Architekt ist Adolf Haenle, Baufirma Holzmann aus Frank­furt.

Kurz vor der Einweihung des Feld­berg-Aussichtsturms
Kurz vor der Einweihung des Feld­berg-Aussichts­turms Hochtaunusarchiv Bad Homburg
Die Einweihung des Turmes 1902
1902 wird der Aussichtsturm eingeweiht Hochtaunusarchiv Bad Hom­burg

1902

findet bereits die Einweihung des 30 m hohen Turmes statt. Festredner sind der Frank­furter Ober­bürger­meister Franz Adickes und Peter Kittel.

Kaiser Wilhelm II. ist einer der etwa 10 000 Besucher.

In Büchern und auf Postkarten aus dieser Zeit wird das „Alte Feld­berghaus“ meiner Ungeheuer-Vorfahren als „Absteige-Quartier für hohe und höchste Herrschaften“ be­zeich­net.

Der Kaiser und seine Familie, aber auch englischer Adel, machten vorzugsweise in Wies­baden und in Bad Hom­burg Erholungsurlaub. Wenn die Herr­schaften nach­mit­tags mit ihren Kutschen auf dem Großen Feld­berg einzu­kehren gedachten, dann suchten bereits morgens Be­dien­ste­te meinen Großvater auf und bestimmten, welche Räume ab­zu­spe­rren seien. Kam der Kai­ser selbst, so musste auch ein Terrain um das Haus herum gesperrt werden.

Um die Jahrhundertwende hatte sich der Fotograf Erhard auf dem Feld­berg niedergelassen. Auf alten Postkarten aus dieser Zeit kann man sein kioskähnliches Atelier fin­den. Er fotografierte Wan­de­rer vor den imposanten Motiven des Feld­berg-Plateaus und diejenigen, denen dies nicht ausreichte, wurden vor einer Leinwand mit Südseemotiven postiert.

Eines Tages war das Feld­berghaus wieder einmal ab­ge­sperrt. Ein Junge lief über das Plateau, der Fotograf bemerkte ihn, wollte für Ordnung sorgen, und fragte: „Wo willst Du dann hie, Bubsche? Du derfst hier nit dorsch die Absperrung laafe.“ Die Antwort des Knaben: „Ich will zu meinem Vater.“ „Un wer is Dein Vadder?“ „Na ja, der Kaiser.“ Und verschwand im „Alten Feld­berghaus“ zu seinem Papa, dem Kaiser. (Wilhelm II. hatte sechs Söhne und eine Tochter)

26. Mai 1902

Die Brüder Jean (1877 - 1952) und Christian Ungeheuer (1881 - 1931) über­nehmen das „Alte Feld­berghaus“. Jean ist in Monaco zum Hotelier ausgebildet worden, Christian hat den Beruf des Küfers erlernt.

Gäste aus aller Welt sind im Fremdenbuch des „Alten Feld­berghauses“ der Jahre 1902 und 1903 ein­ge­schrie­ben: sie kommen aus London, Plymouth, Cardiff, Cam­brid­ge, Hertford (Ostengland), Jersey (Brit. Insel), St. Peters­burg, Wladiwostok, New York, Lyon, Bukarest, Prag, Odessa, Apeldoorn, Warm­baths (Transvaal), War­schau, Stettin, Larvik (Norwegen), Chris­ti­ania (heute Oslo), Berlin und aus vielen anderen deut­schen Städten.

Christian Ungeheuer
Christian Ungeheuer Mein Archiv
Apollonia Ungeheuer, ge. Schmitt 1983 - 1906
Apollonia Ungeheuer, geb. Schmitt (1983 - 1906) wurde nur 23 Jahre alt aus meinem Archiv
Ida Ungeheuer geb. Koch, 2. Frau Christians
Ida Ungeheuer, geb. Koch, mit Sohn Hans, 2. Frau Christians aus meinem Archiv
Elisabeth Ungeheuer geb. Schmitt
Elisabeth Ungeheuer, geb. Schmitt, mit ihren Töchtern Elisabeth und Katharina und… aus meinem Archiv
und ihr Ehemann Jean Ungeheuer
…ihrem Ehemann Jean Ungeheuer aus meinem Archiv

1904

Martin Pfeifer wird auf einer „Ne­ckar­sulm“, die eine Motorleistung von 2,5 PS hat, mit einem Schnitt von 38 km / h erster Sieger eines Motor­rad­rennens am Großen Feldberg im Taunus. Die Behörden mussten für den Renntag die damals erlaubte Höchst­geschwin­digkeit von 30 km / h aufheben. Von Pfeifer habe ich leider kein Foto, aber von einer „Ne­ckar­sulm“.

Peter Euler auf NSU
Aber hier ist ja Peter Euler. Der hatte eine solche „Ne­ckar­sulm“, später kurz NSU genannt. Edith Meister

1907

Jugendstilkarte
1907 Zeit des Jugendstils aus meinem Archiv

An der Nord- und Ostseite des „Alten Feld­berghauses“ wird eine Terrasse angebaut.

Es gab noch strenge Winter
Es gab noch strenge Winter aus meinem Archiv
1907 hat das Haus eine Terrasse erhalten
Aussichtsturm und „Altes Feld­berghaus“ im Herbst… aus meinem Archiv
1907 Feld­berghaus im Winter
… und im Winter Mein Archiv

1908

Man kann von Königstein nach einem zweistündigen Spaziergang den Gipfel des Großen Feldbergs erreichen. In einem Geleitbüchlein für Kurgäste der städtischen Kurverwaltung Königstein findet man dazu den folgenden Hinweis: „Hier erschließt sich dem Beschauer ein unvergleichlicher Ausblick weit in die bayrischen und badischen Lande.“

Im „Feldberg-Buch“ von Helmut Bode, ISBN 978‑3‑7829‑0303‑5, findet man eine Schilderung, nach der man vom Großen Feldberg aus dem Main bis Aschaffenburg und dem Rhein bis zur Höhe Straßburgs folgen kann. Es betrifft das Jahr 1843.

Heute, 2023, zweifeln viele diese Schilderungen an, weil sie sich an die durch die Industrialisierung verursachten gesundheitschädigenden Schwebstoffe der unterschiedlichsten Art in der Luft gewöhnt haben. Ausblicke in die Ferne der geschilderten Art, haben uns Autoabgase, Schadstoffe aus Chemiewerken und Werken der Energiegewinnung und viele andere Verursacher gänzlich zunichte gemacht.

Am 10. März 1910

stirbt Johann Anton Ungeheuer 89-jährig. Er war der erste Wirt des „Alten Feld­berghauses“. Seine Ehefrau Elisabeth, 1822 geb. Quicker, ist bereits 1876 gestorben.

Ein Nachruf in der Zeitung
Ein Nachruf in der Zeitung Mein Archiv

16. April 1910

Das Kaiserpaar, Prinzessin Vik­to­ria Luise und Gefolge besucht den Großen Feld­berg.

8. September 1910

Auch die Zarenfamilie beehrt das „Alte Feld­berghaus“.

Das Kaiserpaar besucht den Feld­berg
Das Kaiserpaar besucht den Feld­berg Im Hochtaunuskreisarchiv Bad Hom­burg gefunden von H. Lichtnecker
Die Zarenfamilie besucht den Großen Feld­berg
Auch die Zarenfamilie besucht den Großen Feld­berg H. Lichtnecker
Altes Feld­berghaus um 1912
Altes Feld­berghaus um 1912 Hochtaunusarchiv Bad Homburg

1913

Bei einer Bergprüfung für Auto­mo­bi­le belegen Fahr­zeuge der Firma Adler / Frank­furt die vier ersten Plätze.

Endlich Licht
Es werde Licht und es ward. Seit dem 14. Mai 1913 gibt es elektrisches Licht in den Gasthäusern des Großen Feld­bergs. Hochtaunusarchiv

Und, noch wichtiger, ein elektrisches Pumpwerk befördert jetzt Wasser aus dem Quellgebiet des Weilbachs am Römerkastell zu den Gipfeln des Großen und des Kleinen Feld­bergs. Von hier versorgen Leitungen den Turm, die drei Gasthäuser und das Feld­bergobservatorium.

Idylle
In Harmonie: die drei Feld­berghäuser, aber dann… Mein Archiv

1914-18

Erster Weltkrieg. Von den 70 Millionen kämpfenden Soldaten sahen 17 Millionen nicht mehr ihre Heimat.

Am 20. De­zem­ber 1918

besetzt französisches Militär das Feld­berg-Plateau, es darf von Deut­schen nicht mehr ohne Genehmigung betreten werden. Am selben Tag wird auch Reifenberg besetzt.

An Stelle der Feld­bergfeste finden in Bad Hom­burg und Mainz-Kastel Ersatzveranstaltungen statt. Ab 1922 dürfen erstmals auch Frauen an den Spielen teilnehmen.

1920

Am 31. Okto­ber 1920 fanden die ersten Feld­berg­rennen für Auto­mo­bi­le und Motor­räder nach dem Ersten Weltkrieg statt. In den 20er-Jahren auf der Stre­cke „Hohe Mark - Sand­placken“, in den 30ern dann von der Hohen Mark zum Feld­berg-Gipfel. Den Siegern dieser Rennen ist in den Statistiken gebührend viel Platz gewidmet.

Die SiegerINNEN werden auf einer eigenen Seite gewürdigt. Niemals mehr gab und gibt es so viele erfolgreiche Auto­mo­bil- und Motor­rad-Rennfahrerinnen wie in den 20er-Jahren.

Nach dem Ausscheiden seines Bruders Jean, verkauft Christian Ungeheuer das „Alte Feld­berghaus“ an Herrn Plade und dieser an Carl August Hahn aus Kronberg. Auch Jakob Ungeheuer, * 13. März 1871, verkauft 1921 sein Feld­berg-Gasthaus „Walküre“. Neuer Besitzer: Karl Geis, König­stein im Tau­nus. Jakob Ungeheuer eröffnet ein Gasthaus in Niederreifenberg und ist dort ab 1924 Bürger­meister.

1922

Das Feld­berg-Plateau zu Zeiten franzoesischer Besatzung
Sieben Jahre war das Feld­berg-Plateau nach dem Ersten Weltkrieg von den Franzosen besetzt. Mein Archiv

1924

Erlaubnisschein der Besatzungsmacht
Mit freundlicher Erlaubnis von Elmar Ickstadt aus Mainz

Die französische Besatzungskommission setzt Herrmann Kowald / Ober­reifen­berg als Förster und Hege­meister des Feld­berg-Forstreviers ein. In seiner Amtszeit werden der nach dem jüngeren Bruder Kaiser Wilhelms II benannten Prinz-Heinrich-Weg vom Roten Kreuz zum Großen Feld­berg, als auch der Weg vom Sand­placken zum Großen Feld­berg zu Straßen ausgebaut. Auch der Bau der „Großen Feld­berg-Sprungschanze“ am Nordwesthang fällt in seine Amtszeit.

Hegemeister Kowalt mit weissem Bart im Alten Feld­berghaus
Im Alten Feld­berghaus Mit freundlicher Genehmigung von Elmar Ickstadt

1926

60 Jahre Taunusklub.

Taunusklub Ober­reifen­berg
Taunusklub Ober­reifen­berg Mein Archiv

Am 10. September 1926

treten die Verträge von Locarno in Kraft. Deutsch­land wird wieder Mitglied des Völkerbundes, die französischen Truppen heben die Sperre des Feld­berg-Plateaus auf, ziehen aber erst am 30. Juni 1930 ab.

Am 18. September 1926

besuchen Komponist Paul Zilcher (1855-1943) und seine Frau Emmy das „Alte Feld­berghaus“. Paul Zilcher schenkt uns im Gästebuch ein „Moderato“. Ob das schon einmal gespielt wurde?

Ob das Moderato schon mal gespielt wurde?
Aus dem Gästebuch des Alten Feld­berghauses
Foto von 1926
Großer Feld­berg im Tau­nus 1926 Taunusklub-Postkarte

1927

25 Jahre Feld­berg Aussichtsturm. 1927 besitzt Carl August Hahn alle drei Feld­berg-Gasthäuser, von denen er aber nur noch das „Alte Feld­berghaus“ bewirtschaftet. Die über 10-jährige Beschlagnahme des Feld­berg-Plateaus durch die französischen Truppen und die Wirtschaftskrise hat ein Bewirtschaften von drei Häusern unrentabel gemacht. Da die Gasthäuser „Walküre“ und „Neues Feld­berghaus Sturm“ auf dem Boden der Gemeinde Niederreifenberg stehen, fordert die Gemeinde die Rückgabe der Häuser und Grundstücke, um sie vor dem Verfall zu bewahren.

1928

Ab 14. Mai 1928 probte die Jazzband „Weintraubs Syncopators“ mit Franz Wachs­mann, Kurt Kaiser, Paul Aronovici, Horst Graff, Ansco Bruinier und Stefan Weintraub im „Alten Feld­berghaus“ für ein Gast­spiel im Frank­furter Städtischen Schau­spiel­haus. Die damals welt­weit bekann­teste deut­sche Jazz­band war in 20 Spiel­filmen zu sehen, unter anderem in „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich. Als die Musiker 1933 als „Nichtarier“ Spiel­verbot erhielten, wan­der­ten sie nach Aus­tra­li­en aus. Es war schick­sal­haft, dass sie dort als „feindliche Ausländer“ eben­falls mit einem Spiel­verbot belegt wurden und sogar für über ein Jahr inter­niert wurden. Be­schämend war dabei die Rolle der Musiker-Gewerk­schaft. Stefan Wein­traub war ge­zwun­gen, als Auto­mecha­niker zu arbeiten. Jörg Süßenbach und Klaus Sander drehten 2000 einen Film über das Schicksal der Band. Mit dem NS-Regime ging in Deutsch­land in allen Bereichen eine Blütezeit der Kunst zu Ende. Bis heute, 2010, ist der Rückstand, in den Deutsch­land dadurch geraten ist, nicht ganz aufgeholt. Gleiches gilt auch für fast alle Wissenschaftszweige. Die Vernichtung und Vertreibung der europäischen Juden ist eine Hypothek, die wir zu tragen haben und die auch nicht von der Zeit getilgt werden kann.

Weintraubs Syncopators
Die Weintraubs Syncopators im Alten Feld­berghaus Mit freundlicher Genehmigung des Hochtaunusarchiv Bad Hom­burg

1929

muss Herr Hahn die beiden ungenutzten Gasthäuser an die Gemeinde Niederreifenberg zurückgeben. Das Haus Sturm wird gründlich renoviert.

Am 30. Juni 1930

verlassen die französischen Truppen, die zum Brückenkopf Mainz gehören, das Feld­berggebiet. 40.000 Menschen feiern an diesem Tag auf dem Gipfel des Großen Feld­bergs, 2.000 Autos finden kaum Parkplätze. Bürger­meister Ungeheuer aus Niederreifenberg hisst die Reichsfahne auf dem Aussichtsturm.

Baracken und Gärten auf dem Feldberg
Auf dieser Postkarte erkennt man neben den drei Gaststätten auch Baracken, Nebengebäude, Schuppen, Garagen, aber auch Gärten und einen Komposthaufen. Die größte Baracken ist eine Hinterlassenschaft der Franzosen. Sie wurde zu einem Turnerheim umgebaut, fiel dann aber dem Zweiten Weltkrieg zu Opfer. Mein Archiv

1931

Das ehemalige „Haus Sturm“ wird an Erich Berndt verpachtet. Bewirtschaftet wird es jedoch von Johann Herr aus Niederreifenberg. Das Haus erhält einen neuen Namen: Hotel und Restaurant „Feld­berghof“.

Renoviertes Haus Sturm
Von links Erich Berndt, unbekannt, unbekannt, Jacob Ungeheuer (ab 1924 Bürger­meister von Niederreifenberg) Johann Herr, vorn Anton, Adam und Wilhelm Herr, beide Fotos von Susanne Eckermann, Adam Herr ist ihr Großvater

Zwischen 1927 und 1936 gewinnt die Norwegerin Sonja Henie zehn Welt­meister­titel im Eiskunstlauf. Sie macht diesen Sport auch in Deutsch­land so populär, dass man 1931 die „Brunhildis“- Eiskunstlaufbahn auf dem Feld­berg-Plateau erbaut.

Am 26. und 27. Juni landen Eugen Stein und Ludwig Kelting mit der Ju D373 und dem Doppeldecker D1936 der Firma Max Gerner auf dem Feld­berg-Gipfel. Laut Wikipedia gibt es zwischen 1907 und 1945 28 Flugzeugbauer und Zulieferer im Raum Frank­furt, einer davon ist Max Gerner (1900-1977).

Fast vergessen ist ein Mann, in Leutershausen geboren und in Frank­furt-Höchst aufgewachsen, der am 14. August 1901 mit seinem selbst ent­wickelten Flugzeug Nr. 21 mit zwei ebenfalls selbst konstruierten Azetylenmotoren den ersten Motorflug der Welt unternahm. Er flog zwei Jahre vor den Gebrüdern Wright in Bridgeport / USA 800 m weit: Gustav Weißkopf.

Eugen Stein mit der JU
Zwei mutige Piloten, Eugen Stein… Gefunden im Hochtaunusarchiv Bad Homburg
Ludwig Kelting landet mir der Gerner
…und Ludwig Kelting, landen auf dem Feld­berg. Hochtaunusarchiv Bad Hom­burg

Am 21. August 1932

erprobt der Pilot Willi Liebeskind aus Frank­furt das Feld­berg-Plateau erfolgreich als neues Segelfluggelände. Es gelingt ihm ein erster Start und eine gute Landung. In einer Zeichnung wird dieses Ereignis im Gästebuch Hahn des „Alten Feld­berghauses“ festgehalten.

Jemand zeichnete dieses Ereignis
Fritz Liebeskind landet im August 1932 mit einem Segelflieger auf dem Feld­berg-Plateau. Aus dem Hochtaunusarchiv Bad Hom­burg

1932

Die Gemeinde Niederreifenberg ersteigert das „Alte Feld­berghaus“. Ab 1932 befinden sich nun alle drei Feld­berghäuser im Besitz Niederreifenbergs.

Ende 1932 erhält der Aussichtsturm eine Flugsicherungslampe
Ende 1932 ist der Aussichtsturm ohne Adler,aber mit einer Flugsicherungslampe ausgestattet. Hochtaunusarchiv Bad Hom­burg

1933

„Gleichschaltung“ des Tau­nus-Klubs mit nationalsozialistischen Wandervereinen zum „Tau­nus-Bund“. So genannte „Nichtarier“ und Kommunisten sollen aus den Vereinen „ent­fernt“ werden. Der Vorsitzende einer jeden örtlichen Abteilung des „Tau­nus-Bundes“ soll Mitglied der NSDAP sein.

1935

Mit Gewehr Revierförster Hermann Kowald
Revierförster Hermann Kowald mit Gewehr
Zwischen dem Sand­placken und dem Großen Feld­berg wird eine Straße gebaut
35 Männer bauen eine Straße zwischen dem Sand­placken und dem Feld­berg. Elmar Ickstadt

1936

Erstmals können die Teilnehmer der Feld­berg-Berg­ren­nen für Motor­räder und Auto­mo­bi­le bis zum Gipfel fahren, denn die Schotterstrecke vom Sand­placken zum Feld­berg ist 1935 geteert und ausgebaut worden. Die Renn­strecke ab der Hohen Mark ist jetzt 12 km lang. Zu den diesjährigen Siegern gehören: Arthur Geiss auf DKW 250 cm³ und Oskar Steinbach NSU 350 cm³. Die Rennen zählen, wie bereits die bisher zwischen Hohe Mark und Sand­placken ausgetragenen Läufe über 8km, zur Deut­schen Berg­meister­schaft.

Die Bus-Linie „Hohe Mark - Sand­placken - Schmitten“ bezieht jetzt den Feld­berg mit ein.

Bus fährt bis zum Feld­berg
Bus-Linie „Hohe Mark - Sand­placken - Großer Feld­berg - Schmitten“ Hochtaunusarchiv Bad Hom­burg

Im Juni trainiert die Olympia-Fechtmannschaft im „Alten Feld­berghaus“. Mit Stefan Rosenbauer, Erwin Casimir, August Heim, Julius Eisenecker und Helene Meyer sind fünf Medaillengewinner dabei, und auch Hedwig Hass, Eugen Geiwitz, Sieg­fried Lerdon und Olga Ölkers, die alle schon Deut­sche Meistertitel ge­won­nen haben, gehören zur Mannschaft.

Tilly Fleischer, Olympia-Siegerin im Speerwerfen, erholt sich nach der Olympiade auf dem Feld­berg und trägt sich in das Gästebuch der Familie Hahn ein.

Deut­sche Olympia-Fechter
Olympia-Fechtmannschaft von 1936 Hochtaunusarchiv Bad Hom­burg

1937

Das „Alte Feld­berghaus“ und die „Walküre“ werden abgerissen. Sie müssen einem neuen Fern­melde­turm weichen, von dem aus Fern­seh­pro­gramme ausge­strahlt werden sollten. Architekt ist der Hoch­schul-Pro­fessor Hans Soeder (1891-1962), der seit 1919, also fast von Anfang an, dem Team des von Walter Gropius gegründeten „Staatlichen Bauhauses“ (1919-1933) in Weimar angehört. Soeder hat sich in der Holzbaukunst, über die er auch promo­viert hat, einen hervor­ragen­den Namen gemacht. Für die künstlerische Ausstattung ist Carl Moritz Schreiner (1889-1948, Düssel­dorf) ver­ant­wort­lich. Der Geburts­ort des Fern­sehens ist Ber­lin-Witz­leben. Von dort werden bereits 1929 erste Ver­suchs­sen­dungen ausgestrahlt. Die Firmen Telefunken und AEG montieren einen fahrbaren Fern­seh­sen­der auf zwölf LKWs und bringen ihn in Hamburg, auf dem Brocken im Harz und auf dem Großen Feld­berg im Tau­nus zum Ein­satz.

mobiler Fernsehsender auf 12 LKWs
Mobiler Fernsehsender Telefunken

So werden 1936 vom Feld­berg aus schon erste Fernsehbilder ausgestrahlt. Ein volles Fernsehprogramm soll dann von dem neuen Turm aus gesendet werden. Hitlers Angriff auf Polen, 1939, verhindern jedoch diese Pläne. 3.000 km Breitbandkabel waren bereits von Berlin durch ganz Deutsch­land verlegt worden, mit Zwischen­verstärkern alle 15 km.

Das erste regelmäßige Fernsehprogramm der Welt wird seit dem 22. März 1935 vom Fernsehsender Paul Nipkow / Berlin ausgestrahlt, BBC / London folgt im Okto­ber. In Deutsch­land können 1936 bereits 160.000 Menschen die Olympischen Spiele am Fernsehschirm verfolgen.

Im Archiv des Hochtaunuskreises in Bad Hom­burg werden die beiden letzten Gästebücher des „Alten Feld­berghauses“ aufbewahrt. Man findet berühmte Namen darin: Die Mitglieder des Jazz-Orchesters „Die Weintraubs Syncopators“, Teilnehmer der Olympischen Spiele von 1936 und die bekannte Fliegerin Elly Beinhorn. Auch viele Motor­radrenn­fahrer wie Arthur Geiss, Heiner Fleischmann, Josef „Sepp“ Giggenbach, Otto Kohfink und andere sind in den Büchern verewigt.

Zeichnung von Fritz Wucherer
Der Fernmeldeturm im Aufbau, eine Zeichnung von Fritz Wucherer, * 1873 Basel,  1948, Kronberg Mit freundlicher Erlaubnis des Hochtaunusarchivs, Bad Hom­burg

Im Februar wird mit dem Bau des Fernsehturms auf dem Feld­berg-Plateau begonnen. Das Richtfest ist bereits im Herbst. Dennoch verhindert der Kriegsbeginn die Fertigstellung des Senders.

Von den drei Gasthäusern bleibt nur der Feld­berg-Hof erhalten.

Er stand nur sieben Jahre
Fernsehturm, erbaut 1937… Mein Archiv
Bauhausturm
… im Bauhausstil von Hochschul-Professor Hans Soeder (1891-1962). Er war Spezialist für Holzbaukunst. Foto: 1943 Mein Archiv

Kaiserzeit Zweiter Weltkrieg