Unter dem Taunusklub-Präsidenten Peter Kittel kommt es zur Grundsteinlegung für den Bau eines festen Thurmes auf dem Feldberg. Einen Saal, der 150 Ausflüglern Unterkunft bietet, und eine Türmer-Wohnung sollen darin eingerichtet werden. Die Klub-Mitglieder hatten dafür jahrelang Spenden gesammelt. Architekt ist Adolf Haenle, Baufirma Holzmann aus Frankfurt.
findet bereits die Einweihung des 30 m hohen Turmes statt. Festredner sind der Frankfurter Oberbürgermeister Franz Adickes und Peter Kittel.
Kaiser Wilhelm II. ist einer der etwa 10 000 Besucher.
In Büchern und auf Postkarten aus dieser Zeit wird das „Alte Feldberghaus“ meiner Ungeheuer-Vorfahren als „Absteige-Quartier für hohe und höchste Herrschaften“ bezeichnet.
Der Kaiser und seine Familie, aber auch englischer Adel, machten vorzugsweise in Wiesbaden und in Bad Homburg Erholungsurlaub. Wenn die Herrschaften nachmittags mit ihren Kutschen auf dem Großen Feldberg einzukehren gedachten, dann suchten bereits morgens Bedienstete meinen Großvater auf und bestimmten, welche Räume abzusperren seien. Kam der Kaiser selbst, so musste auch ein Terrain um das Haus herum gesperrt werden.
Um die Jahrhundertwende hatte sich der Fotograf Erhard auf dem Feldberg niedergelassen. Auf alten Postkarten aus dieser Zeit kann man sein kioskähnliches Atelier finden. Er fotografierte Wanderer vor den imposanten Motiven des Feldberg-Plateaus und diejenigen, denen dies nicht ausreichte, wurden vor einer Leinwand mit Südseemotiven postiert.
Eines Tages war das Feldberghaus wieder einmal abgesperrt. Ein Junge lief über das Plateau, der Fotograf bemerkte ihn, wollte für Ordnung sorgen, und fragte: „Wo willst Du dann hie, Bubsche? Du derfst hier nit dorsch die Absperrung laafe.“ Die Antwort des Knaben: „Ich will zu meinem Vater.“ „Un wer is Dein Vadder?“ „Na ja, der Kaiser.“ Und verschwand im „Alten Feldberghaus“ zu seinem Papa, dem Kaiser. (Wilhelm II. hatte sechs Söhne und eine Tochter)
Die Brüder Jean (1877 - 1952) und Christian Ungeheuer (1881 - 1931) übernehmen das „Alte Feldberghaus“. Jean ist in Monaco zum Hotelier ausgebildet worden, Christian hat den Beruf des Küfers erlernt.
Gäste aus aller Welt sind im Fremdenbuch des „Alten Feldberghauses“ der Jahre 1902 und 1903 eingeschrieben: sie kommen aus London, Plymouth, Cardiff, Cambridge, Hertford (Ostengland), Jersey (Brit. Insel), St. Petersburg, Wladiwostok, New York, Lyon, Bukarest, Prag, Odessa, Apeldoorn, Warmbaths (Transvaal), Warschau, Stettin, Larvik (Norwegen), Christiania (heute Oslo), Berlin und aus vielen anderen deutschen Städten.
Martin Pfeifer wird auf einer „Neckarsulm“, die eine Motorleistung von 2,5 PS hat, mit einem Schnitt von 38 km / h erster Sieger eines Motorradrennens am Großen Feldberg im Taunus. Die Behörden mussten für den Renntag die damals erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 30 km / h aufheben. Von Pfeifer habe ich leider kein Foto, aber von einer „Neckarsulm“.
An der Nord- und Ostseite des „Alten Feldberghauses“ wird eine Terrasse angebaut.
Man kann von Königstein nach einem zweistündigen Spaziergang den Gipfel des Großen Feldbergs erreichen. In einem Geleitbüchlein für Kurgäste der städtischen Kurverwaltung Königstein findet man dazu den folgenden Hinweis: „Hier erschließt sich dem Beschauer ein unvergleichlicher Ausblick weit in die bayrischen und badischen Lande.“
Im „Feldberg-Buch“ von Helmut Bode, ISBN 978‑3‑7829‑0303‑5, findet man eine Schilderung, nach der man vom Großen Feldberg aus dem Main bis Aschaffenburg und dem Rhein bis zur Höhe Straßburgs folgen kann. Es betrifft das Jahr 1843.
Heute, 2023, zweifeln viele diese Schilderungen an, weil sie sich an die durch die Industrialisierung verursachten gesundheitschädigenden Schwebstoffe der unterschiedlichsten Art in der Luft gewöhnt haben. Ausblicke in die Ferne der geschilderten Art, haben uns Autoabgase, Schadstoffe aus Chemiewerken und Werken der Energiegewinnung und viele andere Verursacher gänzlich zunichte gemacht.
stirbt Johann Anton Ungeheuer 89-jährig. Er war der erste Wirt des „Alten Feldberghauses“. Seine Ehefrau Elisabeth, 1822 geb. Quicker, ist bereits 1876 gestorben.
Das Kaiserpaar, Prinzessin Viktoria Luise und Gefolge besucht den Großen Feldberg.
Auch die Zarenfamilie beehrt das „Alte Feldberghaus“.
Bei einer Bergprüfung für Automobile belegen Fahrzeuge der Firma Adler / Frankfurt die vier ersten Plätze.
Und, noch wichtiger, ein elektrisches Pumpwerk befördert jetzt Wasser aus dem Quellgebiet des Weilbachs am Römerkastell zu den Gipfeln des Großen und des Kleinen Feldbergs. Von hier versorgen Leitungen den Turm, die drei Gasthäuser und das Feldbergobservatorium.
Erster Weltkrieg. Von den 70 Millionen kämpfenden Soldaten sahen 17 Millionen nicht mehr ihre Heimat.
besetzt französisches Militär das Feldberg-Plateau, es darf von Deutschen nicht mehr ohne Genehmigung betreten werden. Am selben Tag wird auch Reifenberg besetzt.
An Stelle der Feldbergfeste finden in Bad Homburg und Mainz-Kastel Ersatzveranstaltungen statt. Ab 1922 dürfen erstmals auch Frauen an den Spielen teilnehmen.
Am 31. Oktober 1920 fanden die ersten Feldbergrennen für Automobile und Motorräder nach dem Ersten Weltkrieg statt. In den 20er-Jahren auf der Strecke „Hohe Mark - Sandplacken“, in den 30ern dann von der Hohen Mark zum Feldberg-Gipfel. Den Siegern dieser Rennen ist in den Statistiken gebührend viel Platz gewidmet.
Die SiegerINNEN werden auf einer eigenen Seite gewürdigt. Niemals mehr gab und gibt es so viele erfolgreiche Automobil- und Motorrad-Rennfahrerinnen wie in den 20er-Jahren.
Nach dem Ausscheiden seines Bruders Jean, verkauft Christian Ungeheuer das „Alte Feldberghaus“ an Herrn Plade und dieser an Carl August Hahn aus Kronberg. Auch Jakob Ungeheuer, * 13. März 1871, verkauft 1921 sein Feldberg-Gasthaus „Walküre“. Neuer Besitzer: Karl Geis, Königstein im Taunus. Jakob Ungeheuer eröffnet ein Gasthaus in Niederreifenberg und ist dort ab 1924 Bürgermeister.
Die französische Besatzungskommission setzt Herrmann Kowald / Oberreifenberg als Förster und Hegemeister des Feldberg-Forstreviers ein. In seiner Amtszeit werden der nach dem jüngeren Bruder Kaiser Wilhelms II benannten Prinz-Heinrich-Weg vom Roten Kreuz zum Großen Feldberg, als auch der Weg vom Sandplacken zum Großen Feldberg zu Straßen ausgebaut. Auch der Bau der „Großen Feldberg-Sprungschanze“ am Nordwesthang fällt in seine Amtszeit.
60 Jahre Taunusklub.
treten die Verträge von Locarno in Kraft. Deutschland wird wieder Mitglied des Völkerbundes, die französischen Truppen heben die Sperre des Feldberg-Plateaus auf, ziehen aber erst am 30. Juni 1930 ab.
besuchen Komponist Paul Zilcher (1855-1943) und seine Frau Emmy das „Alte Feldberghaus“. Paul Zilcher schenkt uns im Gästebuch ein „Moderato“. Ob das schon einmal gespielt wurde?
25 Jahre Feldberg Aussichtsturm. 1927 besitzt Carl August Hahn alle drei Feldberg-Gasthäuser, von denen er aber nur noch das „Alte Feldberghaus“ bewirtschaftet. Die über 10-jährige Beschlagnahme des Feldberg-Plateaus durch die französischen Truppen und die Wirtschaftskrise hat ein Bewirtschaften von drei Häusern unrentabel gemacht. Da die Gasthäuser „Walküre“ und „Neues Feldberghaus Sturm“ auf dem Boden der Gemeinde Niederreifenberg stehen, fordert die Gemeinde die Rückgabe der Häuser und Grundstücke, um sie vor dem Verfall zu bewahren.
Ab 14. Mai 1928 probte die Jazzband „Weintraubs Syncopators“ mit Franz Wachsmann, Kurt Kaiser, Paul Aronovici, Horst Graff, Ansco Bruinier und Stefan Weintraub im „Alten Feldberghaus“ für ein Gastspiel im Frankfurter Städtischen Schauspielhaus. Die damals weltweit bekannteste deutsche Jazzband war in 20 Spielfilmen zu sehen, unter anderem in „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich. Als die Musiker 1933 als „Nichtarier“ Spielverbot erhielten, wanderten sie nach Australien aus. Es war schicksalhaft, dass sie dort als „feindliche Ausländer“ ebenfalls mit einem Spielverbot belegt wurden und sogar für über ein Jahr interniert wurden. Beschämend war dabei die Rolle der Musiker-Gewerkschaft. Stefan Weintraub war gezwungen, als Automechaniker zu arbeiten. Jörg Süßenbach und Klaus Sander drehten 2000 einen Film über das Schicksal der Band. Mit dem NS-Regime ging in Deutschland in allen Bereichen eine Blütezeit der Kunst zu Ende. Bis heute, 2010, ist der Rückstand, in den Deutschland dadurch geraten ist, nicht ganz aufgeholt. Gleiches gilt auch für fast alle Wissenschaftszweige. Die Vernichtung und Vertreibung der europäischen Juden ist eine Hypothek, die wir zu tragen haben und die auch nicht von der Zeit getilgt werden kann.
muss Herr Hahn die beiden ungenutzten Gasthäuser an die Gemeinde Niederreifenberg zurückgeben. Das Haus Sturm wird gründlich renoviert.
verlassen die französischen Truppen, die zum Brückenkopf Mainz gehören, das Feldberggebiet. 40.000 Menschen feiern an diesem Tag auf dem Gipfel des Großen Feldbergs, 2.000 Autos finden kaum Parkplätze. Bürgermeister Ungeheuer aus Niederreifenberg hisst die Reichsfahne auf dem Aussichtsturm.
Das ehemalige „Haus Sturm“ wird an Erich Berndt verpachtet. Bewirtschaftet wird es jedoch von Johann Herr aus Niederreifenberg. Das Haus erhält einen neuen Namen: Hotel und Restaurant „Feldberghof“.
Zwischen 1927 und 1936 gewinnt die Norwegerin Sonja Henie zehn Weltmeistertitel im Eiskunstlauf. Sie macht diesen Sport auch in Deutschland so populär, dass man 1931 die „Brunhildis“- Eiskunstlaufbahn auf dem Feldberg-Plateau erbaut.
Am 26. und 27. Juni landen Eugen Stein und Ludwig Kelting mit der Ju D373 und dem Doppeldecker D1936 der Firma Max Gerner auf dem Feldberg-Gipfel. Laut Wikipedia gibt es zwischen 1907 und 1945 28 Flugzeugbauer und Zulieferer im Raum Frankfurt, einer davon ist Max Gerner (1900-1977).
Fast vergessen ist ein Mann, in Leutershausen geboren und in Frankfurt-Höchst aufgewachsen, der am 14. August 1901 mit seinem selbst entwickelten Flugzeug Nr. 21 mit zwei ebenfalls selbst konstruierten Azetylenmotoren den ersten Motorflug der Welt unternahm. Er flog zwei Jahre vor den Gebrüdern Wright in Bridgeport / USA 800 m weit: Gustav Weißkopf.
erprobt der Pilot Willi Liebeskind aus Frankfurt das Feldberg-Plateau erfolgreich als neues Segelfluggelände. Es gelingt ihm ein erster Start und eine gute Landung. In einer Zeichnung wird dieses Ereignis im Gästebuch Hahn des „Alten Feldberghauses“ festgehalten.
Die Gemeinde Niederreifenberg ersteigert das „Alte Feldberghaus“. Ab 1932 befinden sich nun alle drei Feldberghäuser im Besitz Niederreifenbergs.
„Gleichschaltung“ des Taunus-Klubs mit nationalsozialistischen Wandervereinen zum „Taunus-Bund“. So genannte „Nichtarier“ und Kommunisten sollen aus den Vereinen „entfernt“ werden. Der Vorsitzende einer jeden örtlichen Abteilung des „Taunus-Bundes“ soll Mitglied der NSDAP sein.
Erstmals können die Teilnehmer der Feldberg-Bergrennen für Motorräder und Automobile bis zum Gipfel fahren, denn die Schotterstrecke vom Sandplacken zum Feldberg ist 1935 geteert und ausgebaut worden. Die Rennstrecke ab der Hohen Mark ist jetzt 12 km lang. Zu den diesjährigen Siegern gehören: Arthur Geiss auf DKW 250 cm³ und Oskar Steinbach NSU 350 cm³. Die Rennen zählen, wie bereits die bisher zwischen Hohe Mark und Sandplacken ausgetragenen Läufe über 8km, zur Deutschen Bergmeisterschaft.
Die Bus-Linie „Hohe Mark - Sandplacken - Schmitten“ bezieht jetzt den Feldberg mit ein.
Im Juni trainiert die Olympia-Fechtmannschaft im „Alten Feldberghaus“. Mit Stefan Rosenbauer, Erwin Casimir, August Heim, Julius Eisenecker und Helene Meyer sind fünf Medaillengewinner dabei, und auch Hedwig Hass, Eugen Geiwitz, Siegfried Lerdon und Olga Ölkers, die alle schon Deutsche Meistertitel gewonnen haben, gehören zur Mannschaft.
Tilly Fleischer, Olympia-Siegerin im Speerwerfen, erholt sich nach der Olympiade auf dem Feldberg und trägt sich in das Gästebuch der Familie Hahn ein.
Das „Alte Feldberghaus“ und die „Walküre“ werden abgerissen. Sie müssen einem neuen Fernmeldeturm weichen, von dem aus Fernsehprogramme ausgestrahlt werden sollten. Architekt ist der Hochschul-Professor Hans Soeder (1891-1962), der seit 1919, also fast von Anfang an, dem Team des von Walter Gropius gegründeten „Staatlichen Bauhauses“ (1919-1933) in Weimar angehört. Soeder hat sich in der Holzbaukunst, über die er auch promoviert hat, einen hervorragenden Namen gemacht. Für die künstlerische Ausstattung ist Carl Moritz Schreiner (1889-1948, Düsseldorf) verantwortlich. Der Geburtsort des Fernsehens ist Berlin-Witzleben. Von dort werden bereits 1929 erste Versuchssendungen ausgestrahlt. Die Firmen Telefunken und AEG montieren einen fahrbaren Fernsehsender auf zwölf LKWs und bringen ihn in Hamburg, auf dem Brocken im Harz und auf dem Großen Feldberg im Taunus zum Einsatz.
So werden 1936 vom Feldberg aus schon erste Fernsehbilder ausgestrahlt. Ein volles Fernsehprogramm soll dann von dem neuen Turm aus gesendet werden. Hitlers Angriff auf Polen, 1939, verhindern jedoch diese Pläne. 3.000 km Breitbandkabel waren bereits von Berlin durch ganz Deutschland verlegt worden, mit Zwischenverstärkern alle 15 km.
Das erste regelmäßige Fernsehprogramm der Welt wird seit dem 22. März 1935 vom Fernsehsender Paul Nipkow / Berlin ausgestrahlt, BBC / London folgt im Oktober. In Deutschland können 1936 bereits 160.000 Menschen die Olympischen Spiele am Fernsehschirm verfolgen.
Im Archiv des Hochtaunuskreises in Bad Homburg werden die beiden letzten Gästebücher des „Alten Feldberghauses“ aufbewahrt. Man findet berühmte Namen darin: Die Mitglieder des Jazz-Orchesters „Die Weintraubs Syncopators“, Teilnehmer der Olympischen Spiele von 1936 und die bekannte Fliegerin Elly Beinhorn. Auch viele Motorradrennfahrer wie Arthur Geiss, Heiner Fleischmann, Josef „Sepp“ Giggenbach, Otto Kohfink und andere sind in den Büchern verewigt.
Im Februar wird mit dem Bau des Fernsehturms auf dem Feldberg-Plateau begonnen. Das Richtfest ist bereits im Herbst. Dennoch verhindert der Kriegsbeginn die Fertigstellung des Senders.
Von den drei Gasthäusern bleibt nur der Feldberg-Hof erhalten.