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19. Jahrhundert: Geprägt vom Kaisertum

1814, 18. Okto­ber

An diesem Tag steht Ernst Moritz Arndt (1768 - 1860) auf dem Brun­hil­dis­felsen und hält eine Rede ans Volk. Die Deutschen seien ein ethnich reines Volk und sollten wie die Franzosen und Engländer in einem Staat leben, sagt Arndt.

Mehrere Tausend Menschen sind an diesem 18. Okto­ber 1814 auf den Großen Feld­berg gekommen, um dort den ersten Jahrestag des Sieges über Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig zu feiern. Am Abend brennen auf dem Feld­berg und auf vielen Tau­nus-Anhöhen Freuden­feuer. Es sind mehrere hundert.

Vor einem Jahr hatten erstmals die größten deutsch­sprachigen Länder (mit Ausnahme von Sachsen) in einer Allianz mit Russland und Schweden nicht gegeneinander, sondern miteinander gegen einen gemein­samen Gegner gekämpft. 92.000 Solda­ten starben.

Ernst Moritz Arndt 1815
Ernst Moritz Arndt 1815 Geschichtsverein Reifenberg e. V.

1815

Auf dem nun fol­gen­den „Wiener Kongress“ unter­zeichnen 41 Fürsten­tümer und freie deut­sche Städte die Verträge zum „Deut­schen Bund“. Napoleon hat ungewollt erste Anfänge zur Bildung eines deut­schen Staates gefördert. Er hat bei jenen, die gegen ihn kämp­fen mussten, Zusammen­gehörigkeits­gefühle geweckt. Aller­dings bleiben Neu­ordnungs­pläne des Freiherren vom Stein für einen engeren Zusammen­schluss der deut­schen Staaten noch un­berück­sich­tigt. Die restriktive Politik des Fürsten Metternich, Minister des Kaiser­reichs Öster­reich, sorgt für ein weiteres Jahr­hundert der Klein­monarchien in Deutsch­land. Auch die übrigen euro­pä­ischen Staaten fallen wieder in alte Allein­herr­scher­struk­turen zurück. Mensch-ärgere-Dich-nicht FigurenKeine Ver­sammlungs­freiheit, keine Pres­se­freiheit; wenn drei Personen beiein­an­der­stehen, geraten sie unter Verdacht.

Es bleiben die Wande­rungen zu Feld­berggipfel, sie sind kontrol­lierbar, man kennt die Teil­nehmer, und man kann frei politisieren.

Arndt, Schriftsteller und später Alters­präsident der Frank­furter National­versamm­lung in der Paulskirche, hofft jetzt, wie eine Reihe anderer Intellek­tueller, auf eine baldige Ver­einigung der deut­schen Staaten nach Leit­sätzen der „Franzö­sischen Revolu­tion“ in ihren Anfängen von 1789.

Aber noch wollen die regierenden Fürsten nichts von ihrer Macht abgeben. Wer sich für eine von der Willkür der Fürsten befreite Staats­form einsetzt, der wird verfolgt.

Georg Büchner gründet die „Gesell­schaft für Menschen­rechte“ und verfasst eine Flugschrift „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ und muss 1835 nach Straßburg fliehen.

1816

ist das „Jahr ohne Sommer“. Der Vulkan Tambora auf Sumbawa (heute Indonesien) bricht aus. Die Auswirkungen ähneln denen der Jahre 1783 und 1784. Auch in Europa fällt Ascheregen. Die Durch­schnitts­tempera­turen sinken um fast 4° C. Wieder Miss­ernten! Die knappen Lebens­mittel werden für die nächsten drei Jahr­zehnte teurer, wieder hungernde Menschen, eine Aus­wan­derungs­welle nach Nord­amerika, Süd­russland, Bess­arabien, Krim, Georgien und in den Kaukasus ist die Folge. Wissen­schaft­ler schätzen, dass etwa 200.000 Menschen in Europa an den Auswir­kungen der Katastrophe ge­stor­ben sind. Genauere schrift­liche Aufzeich­nungen über die Aus­wirkungen im Tau­nus fehlen.

1832

gehört Hambach bei Neu­stadt an der Wein­straße zum Wittels­bacher Macht-Raum. König Ludwig I. ver­bietet alle politischen Ver­samm­lungen. Deshalb treffen sich 30.000 Menschen zu einem „Volksfest“, dem „Ham­bacher Fest“. Die Teil­nehmer fordern ein ver­einig­tes Deutsch­land, Frei­heit und Demo­kratie. Diese Er­eig­nis­se stehen im Zu­sammen­hang mit den Gescheh­nisse auf dem Feld­berg, die in den nächsten Jahren folgen sollten.

1837

setzt der König von Han­no­ver gleich zu Regierungsbeginn die Verfassung außer Kraft. Die Gebrüder Grimm, Jacob (1785 - 1863) und Wilhelm (1786 - 1859) sind zu dieser Zeit Pro­fes­soren an der Universität Göttingen. Jacob ist später auch Abge­ord­neter der Frank­fur­ter Nati­onal­ver­samm­lung von 1848. Die Brü­der und fünf weitere Pro­fes­soren werden 1837 ent­lassen. Als sie einen Protest gegen ihre Ent­lassung formu­lieren und diese als Rechts­bruch bezeichnen, werden sie des Landes verwiesen.

Rotkäppchen
Rotkäppchen, ein Märchen von den Gebrüdern Grimm M 92/ 394 A 2: Rotkäppchen mit dem Korb für die Großmutter"
(CC BY-NC-SA @ Deutsches Märchen- und Wesersagenmuseum, abgerufen am: )

Es ist nicht das letzte Mal, dass deut­sche Intellektuelle aus ihrem Heimatland vertrieben werden.

Um die fol­gen­den Aktivitäten auf dem Großen Feld­berg verstehen zu können, muss man sich in die damalige Zeit versetzen, die von dem willkürlichen Diktat der Aristokratie bestimmt war.

1842, 20. Januar

Fritz Emminghaus aus Usingen ruft in dem Beiblatt des „Frank­furter Journals“ zum Bau eines Aus­sichts­turmes auf dem Feld­berg auf. Bereits am 5. Februar 1842 gründen 23 Frank­furter, unter ihnen der Verleger August Ravenstein, und zwei Hom­burger, eine „Commission für (die) Erbauung eines Hauses auf dem Feld­berg“. Man einigt sich auf ein Haus mit integriertem Turm.

1843

beschreibt der Pfarrer, Dekan und Schulinspektor Christian Daniel Vogel die Aussicht vom Feld­berg in südlicher Richtung wie folgt:

Man siehet hier den Rhein wie einen Silberfaden von Straßburg her kommen, den Main kann das Auge bis Aschaffenburg verfolgen, und die ganze herrliche Gegend liegt wie eine Landkarte zu unseren Füßen, auf der man 12 Städte und gegen 100 Dörfer zählen kann.

Die durch die Industri­alisierung verur­sachten Schweb­stoffe in der Luft haben diesen Ausblick in die Ferne gänzlich zunichte gemacht.

1844, 20. Juni

An diesem Tage findet auf dem Feld­berg ein Volks- und Turnfest statt. Es werden Gelder für das geplante Feld­berghaus gesammelt. Musik- und Gesangvereine spielen auf, die Jugend von Reifenberg trägt unter der Leitung ihrer Lehrer „schöne Lieder“ vor. Ab 21:30 Uhr ist der Gipfel bengalisch beleuchtet. Wirte aus König­stein, Kronberg, Ober­ursel und Hom­burg bieten Getränke und Bratwurst an, die Festwirtschaft hat Johann Anton Ungeheuer (* 1821 -  1910) aus Reifenberg über­nommen. Der wichtigste Ideengeber zu alledem ist August Ravenstein.

1845

Das Feld­bergfest wird unter Ravensteins Vorsitz als jährliches Turnfest fest installiert.

1848 / 49

Das Feldbergfest muss mehrmals auf dem Feldberg-Plateau ausfallen oder an einen anderen Ort verlegt werden. Grund ist die Reaktion des herrschenden Adels auf das Bestreben des Pauls­kirchen-Parla­ments in Frank­furt, aus den vielen Klein­staaten ein geeintes Deutsch­land zu schaffen.

Der Landgraf von Hom­burg verbietet zehn Jahre lang das Betreten seines Feld­berg-Drittels. An den Feld­berg-Fest­tagen lässt er zeitweilig 200 Soldaten auf­marschieren, die sein Besitzdrittel am Plateau absperren.

Die deut­schen Landesherren fürchten die von Turn­vater Friedrich Ludwig Jahn gegründete Turner- und Wander­bewegung, die von Anfang an politisch-­militärisch moti­viert ist. Sein Ziel ist es, die Jugend auf den Kampf gegen die franzö­sische Besatzungs­macht vorzu­bereiten und ein geeintes Deutsch­land zu schaffen. Beim Wan­dern können die jungen Leute frei reden. Sie ent­ziehen sich auf diese Weise der Kon­trol­le der Obrig­keit in den Städten, wo Versamm­lungen nicht erlaubt sind. Ähnlich den griechi­schen Phi­lo­so­phen (Platon, Epikur) und deren Schüler trifft man sich vor der Stadt. In unserem Fall ist der Feld­berg ein beliebtes Ziel.

Die patriotischen Forderungen der Bewegung, die Klein­staaten in einer demokratischen Republik zu vereinen, die den Menschen Freiheit und unein­ge­schränkte Bürger­rechte garantiert, geht den Poten­taten zu weit. Jahn, der auch Mitglied der Frank­furter National­versamm­lung ist, verbringt fast sechs Jahre seines Lebens in Gefängnissen.

Die anderen beiden Anteile des Feld­berg-Plateaus gehören der „Freien Reichsstadt Frank­furt“ und dem Herzogtum Nassau.

Die Aristokraten haben Angst, Einfluss und Be­sitz­tümer zu verlieren. Die Mächtigen schika­nieren die „Bürger“, die sich so allerdings nicht mehr nennen dürfen, sie sind jetzt nur noch „Untertanen“.

Sieben Millionen Menschen wandern in der Zeit von 1814 bis 1914 aus deut­schen Staaten aus, die meisten nach Amerika. Die Gründe hierfür sind Hunger (Berufs­stand der Weber) und die Ver­fol­gung durch die regie­renden Monar­chen. 80.000 deut­sche Frauen und Männer arbeiten in Paris zu Niedrigst­löhnen, aber immer­hin haben sie eine Arbeit. Von 1840 bis 1939 wan­dern 55 Milli­onen Euro­päer nach Nord- und Süd­amerika aus.

Berühmte Dichter emigrieren oder flüchten ins Exil:

Von letzterem stammt der Text unserer heutigen Nationalhymne, „Einigkeit und Recht und Freiheit“.

US Navy Band

1849

Das Feld­bergfest findet in diesem Jahr auf dem Fuch­stanz statt. Aus Reifenberg wird Ober­reifen­berg und Nieder­reifenberg:

Ober­reifenberg
Getrennt: Ober- und aus meinem Archiv
Niederreifenberg
Niederreifenberg aus meinem Archiv

1852-53

wird die 1828 errichtete Holzhütte auf dem Plateau durch eine neue ersetzt. Aber auch diese Schutzhütte für Wan­de­rer fällt bald darauf der rauen Witterung zum Opfer.

1853

Johann Anton Ungeheuer (* 1821 -  1910), Besitzer des „Hauses Ungeheuer“ in Ober­reifen­berg (heute Haus Reifenberg) und zugleich Bürger­meister der Gemeinde, erstellt mit der „Commission für die Er­bau­ung eines Hauses auf dem Feld­berg“ einen gemein­samen Bau­plan.
Mit dem Bau selbst kann aber noch nicht begonnen werden, weil der Herzog von Nassau das Vorhaben fünf Jahre lang blockiert.

Bürgermeister von Ober­reifen­berg J. A. Ungeheuer
Johann Anton Ungeheuer im Kreise von acht seiner elf Enkel / -innen Aufnahme von 1909

Der Wille, das Haus zu bauen, bleibt bestehen. Die Männer brauchen es. Auf ihren Wanderungen durch die Wälder des Tau­nus hinauf zum Feld­berg können sie sich der allgegen­wärtigen Staatsgewalt ent­ziehen und frei sprechen. Eine Wander­bewegung ent­steht.

1855

wird ersatzweise eine größere Bretter­hütte am Brun­hil­dis­fel­sen gebaut, deren Be­wirt­schaf­tung Johann Anton Ungeheuer über­nimmt. Er ist auf einem Bild des Malers Heinrich Gustav Adolf Schmitz (1825 - 1894) zu sehen. Von diesem Bild existiert nur noch eine Fotografie, weil das Ori­gi­nal 1931 im Mün­chener Glaspalast verbrannte. In der Bretterhütte legt die „Commission“ ein Fremdenbuch aus, in das sich die Besucher eintragen können. August Ravenstein ist darin mehrfach vertreten. Hier Verse von ihm:

Aus Helmut Bode: Das Feld­berg-Buch, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1985, ISBN 978‑3‑7829‑0303‑5

1858

hat die Hausbau-Commission 2.800 Gulden Spen­den­gel­der zusammen, sogar der Herzog von Nassau leistet einen Beitrag. Man kauft jetzt von der Gemeinde Ober­reifen­berg zwei Morgen Land zu je 50 Gul­den, um das Haus auf Nassauer Boden zu er­rich­ten. Den ur­sprüng­lichen Plan, das Haus mit integriertem Turm auf dem höchsten Punkt des Berges zu platzieren, vereitelt der Hom­burger Landgraf. Er verweigert die Baugenehmigung.

1859

stirbt der Naturforscher Alexander von Humboldt (1769 - 1859). Er hat den Tau­nus „das schönste Mittelgebirge der Welt“ genannt. https://taunus.info/files/ news/15942794655418.pdf Gefunden von Prof. Eugen Ernst

Am Sonntag, den 26. Juni kann August Ravenstein endlich den Grundstein zum Bau des Feld­berg­hauses legen, das nach einem Riss des Architekten Velde aus Diez, der schon 1853 den Bau der neuen Ober­rei­fen­ber­ger Georgskirche leitete, gebaut werden soll. Die Gesamtkosten sollen 5.000 Gulden nicht über­steigen.

Nach dem Gesang der festlich geschmückten Ober­reifenberger Schuljugend hält August Ravenstein die Festrede und der Professor der Baukunst am Städel­schen Institut Friedrich Maximilian Hessemer trägt sein zu diesem Anlass verfasstes Gedicht vor, das 17 Strophen umfasst. In seiner gereimten Ansprache kommt dreimal das Wort „Vaterland“ vor und ist nur vor dem Hinter­grund des Scheiterns der Revolution 1848 / 50 und den nachfol­gen­den Unter­drückungen und Bedrückungen der Menschen zu verstehen, die immer noch auf ein geeintes Deutsch­land hoffen. Eine dritte Rede folgt. Der Nagelschmied Friedrich Marx aus Arnoldshain hält sie.

1859-60

Die Bauzeit beträgt unter schwersten Bedingungen 14 Monate. Der Große Feld­berg ist noch nicht er­schlos­sen. Keine Straße führt nach oben, nur schmale Wege und Pfade, ähnlich wie das heute noch am Alt­könig der Fall ist. Mit Pferde­fuhr­werken holt man die Bau­steine heran. Um die müh­seligen Wege zu verkürzen, kauft man in Reifen­berg noch ver­wend­bares Bau­material von ab­ge­ris­senen Häusern, Scheunen und Ställen auf.

Altes Feld­berghaus
Das „Alte Feld­berghaus“ mit integriertem Turm wurde 1859 / 60 erbaut aus meinem Archiv

1860, 12. August

An diesem Tage weiht Ravenstein das Feld­berghaus ein, das ein Gastzimmer und zehn Schlafstellen und einen 40 Fuß (13 m) hohen Turm hat. Natürlich hält er auch die Festrede, in der er von einem ge­mein­nüt­zigen, vater­ländischen Werk spricht. Am Schluss über­gibt er Haus und Gelände samt allen darauf ruhenden Lasten und Gerechtsamen (= veraltete Bezeichnung für Berechtigung, Nutzungsrecht, Privileg oder Vorrecht an etwas) an Johann Anton Ungeheuer, der die Bewirtschaftung und die Rest­finan­zierung über­nimmt. Es fol­gen weitere Redner, da­run­ter Fritz Emminghaus aus Usingen und der Nagel­schmied Friedrich Marx aus Arnolds­hain. Ein Problem bleibt allerdings ungelöst. Es gibt kein Wasser auf dem Feld­berg, und so muss in den nächsten Jahrzehnten jeden Tag ein Hotel­ange­stellter mit einem Hunde­ge­spann hin­unter zur Weil­quelle am „Numerus-Römer­kastell Kleiner Feld­berg“ fahren, um einige Kannen Wasser zu holen.

Das „Alte Feld­berghaus“ wird 35 Jahre auf dem Plateau des Großen Feld­bergs alleine stehen. Dann gibt es 1895 und 1899 Konkurrenz.

1861

Die Schikanen gegen die Turner, Sänger und zu­schau­ende Be­su­cher des Feld­bergfestes gehen weiter. Der Landgraf von Hessen-Hom­burg lässt auf seinem Drittel des Feld­berg-Plateaus Fichten pflanzen. Dies ist der Platz, den die damaligen Turner zum Laufen und Weitspring verwendet haben.

1866

verkündet Wilhelm I. die Eingliederung der Land­graf­schaft Hes­sen-Hom­burg, des Herzogtums Nassau und der bis dahin freien Stadt Frank­furt in das Königreich Preußen. Und somit finden die Spiele

1867

erstmals auf preußischem Boden statt.

1868

gründet August Ravenstein im „Alten Feld­berghaus“ die erste deut­sche Touristen-Vereinigung, den „Bund der Feld­berg­läufer“. Der Verein nennt sich jedoch bald „Taunus­klub“ und sieht sich nicht nur als Wander­verein, sondern seine Mit­glieder bauen auf vielen Berggipfeln Aussichts­türme, er­rich­ten Schutz­hütten, legen Wege an und markieren sie. Als be­son­ders wichtig erweisen sich die sozialen Dienste des neuen Klubs. Man versorgt notleidende Men­schen im Hoch- und Hinter­taunus mit Kartof­feln und Saat­gut, man installiert eine Korb­flechter­schule in Gräven­wies­bach und die Lehrerin Emilie Seipp aus Frank­furt lehrt Frauen aus Ober- und Nieder­reifen­berg die Filet-Kunst.

Eine Filet-Arbeit
Hier ist neben Produkten aus der Klein­industrie des Hoch­taunus auch eine kleine Filet-Arbeit zu sehen. Aus eigenem Archiv
Altes Feld­berghaus von 1868
Das „Alte Feld­berghaus“, Gefunden von Susanne Eckermann

1871, 18. Januar

im Feld­berghaus feiern Mitglieder des Taunusklubs die Proklamation Wilhelms des I. zum Deut­schen Kaiser. Erstmals ist Deutsch­land geeint. Es wird einen Reichstag geben, allerdings dürfen nur Männer wählen, die älter als 25 Jahre sind. Das Parlament darf nur mitbestimmen. Es ist noch ein weiter Weg bis zu einer funktionierenden Demokratie.

1871

Fritz Emminghaus, Mitbegründer der Feld­bergfeste und Initiator des Baus des Feld­berghauses, ist tot.

Das Feld­berghaus muss bereits um 115 m³ erweitert werden. Der Turm ist inzwischen baufällig und wird abgebaut. August Ravenstein ist Gast bei der Ein­weih­ungs­fei­er des Anbaus am 25. August 1872.

Altes Feld­berghaus nach der Erweiterung
Das Alte Feld­berghaus wird bereits 1871, 1872 erweitert. aus meinem Archiv

1874

wird hauptsächlich von italienischen Gastarbeitern die sogenannte Kanonenstraße, Ober­ursel (Hohe Mark) - Sand­placken, am Feld­berg vorbei gebaut. Dorthin führen, neben einigen Wanderpfaden, nach wie vor nur Schotterwege vom Roten Kreuz und vom Sand­placken her.

1875

Das Wirt-Ehepaar auf dem Feldberg hat fünf Töchter und fünf Söhne bekommen. Das am 17. Juni erstgeborene Kind ist Katharina Ungeheuer. Sie wird später den Bür­ger­mei­ster von Ober­reifen­berg, Theodor Bonaventura Sauer, heiraten.
Es folgen zwei Söhne, Jean und Christian, die später gemeinsam das „Alte Feld­berghaus“ erben. Ihre Ge­schwis­ter gehen nicht leer aus. Sie werden ausbezahlt.

Im Juli wird das Feld­bergfest wegen eines Gewitters abgebrochen und im August auf dem Neroberg in Wies­baden fort­gesetzt.

1878

Das Jubiläumsfeldbergfest wird vom Landrat in Bad Hom­burg zunächst verboten. Es werden sozial­demo­kra­ti­sche Aufmärsche befürchtet. Angesehene Turner aus Frank­furt erreichen unter strengen Auflagen die Rück­nahme des Verbots. 40 ältere Turner müssen dafür sorgen,

Die 40 ordnenden Turner müssen aus Frank­furt, Wies­baden, Hom­burg und Usingen sein, auf keinen Fall jedoch aus Of­fen­bach, Hanau oder Höchst.

1879, 22. Juni

Das Feld­bergfest muss wegen schlechten Wetters in Höchst am Main auf der Wörthspitze stattfinden. Preis­ver­leihung im Bürger-Casino.

Wörthspitze
Höchster Wörthspitze zwischen Main und NiddaEigenes Foto

1880

Auf Betreiben August Ravensteins werden über 20 Schwesternstationen eingerichtet. Die Dernbacher Ordensfrauen pflegen in den Tau­nus-Dörfern Kranke und ihre Häuser sind zugleich Kindergärten.

1881

Der Taunusklub versorgt 13 Tau­nus-Gemeinden, da­run­ter alle Hochtaunusdörfer, mit Saatkartoffeln, Lebensmitteln und Sachspenden.

Verleger August Ravenstein
Verleger, Gründer des Feld­bergfestes, des Taunusklubs und Mitbegründer des Frank­furter Palmengartens:
August Ravenstein (4.12.1809 - 30.7.1881) Hochtaunusarchiv

1881

stirbt August Ravenstein im Alter von 72 Jahren.

Gottlieb Schnapper-Arndt, * 1846 in Frank­furt am Main,  1904 in Halber­stadt, lebt 1881 ein Jahr lang mit den Bewohnern der fünf Hochtaunus-Dorf­gemeinden. Er betreibt dort statis­tisch-sozio­lo­gische Feld­for­schung. Später schreibt er in Tübingen seine Disser­tation darüber und ver­öffent­licht sie. Er ist damit der Be­gründer dieser Sparte der Sozio­logie.

Schnapper-Arndt be­schreibt in seinen Auf­zeich­nungen die für heutige Ver­hält­nisse unfass­bare Armut der Menschen, die trotz 16-stündiger Arbeit in kleinen Nagel­schmieden, beim Filet­knüpfen, Haar­klemmen­stecken oder der Feld­arbeit kein Aus­kommen finden. Auch Kinder arbeiten bis zu 16 Stunden am Tag, nur von vier Schul­stunden unter­brochen.

Im Hochtaunus gibt es 1881 insgesamt 295 Nagel­schmieden. Für die Her­stel­lung eines Nagels benötigt der Schmied 25 Hammer­schläge. Wenn er seine meist große Familie ernähren will, dann muss er in fünf Tagen 12.500 Nägel herstellen und sie am sechsten Tag an Händler in den großen Städten Frank­furt und Wies­baden verkaufen.

1882

Feldbergwirt Johann Georg Daniel Ungeheuer
Zweiter Feld­berg­wirt Hansjörg Ungeheuer aus meinem Archiv

Johann Georg Daniel Ungeheuer (1844 - 1898), genannt „Feld­berg - Johann“, Rufname Hansjörg, und seine Ehefrau (seit 1872) Agnes, geb. Wald­schmitt (1851 - 1900) aus Ober­reifen­berg über­nehmen das „Alte Feld­berg­haus“ aus den Hän­den von Johann Anton Ungeheuer, der aber das Haus Ungeheuer (heute Haus Reifenberg) in Ober­reifen­berg weiterführt.

Bei seiner Familie wurde Johann Georg Daniel Ungeheuer Hansjörg gerufen. Im Dorf unten, in Ober­reifen­berg, nannte man ihn „Feld­berg - Johann“.

Der Taunusklub errichtet Schüler-, Studenten- und Lehrlingsherbergen im Tau­nus.

1884

Observatorium Großer Feldberg
Re­gen­mess­station auf dem Großen Feldberg Physikalischer Verein Frankfurt

1884 richtete der Physikalische Verein Frankfurt am Main auf dem Großen Feld­berg zunächst eine Re­gen­mess­station ein. Sie wurde später als Observatorium ausgebaut und 1913 auf das größere Areal des Kleinen Feld­bergs über­führt.

1893

wird das 25-jährige Bestehen des Taunus­klubs gefeiert. Das Feld­berg­haus ist mit bunten Fah­nen und Tannen­grün ge­schmückt.

1894

schreibt August Knyrim, der Nach­folger Raven­steins als Taunus­klub­vorsit­zen­der, dass sich stets am 1. Januar Natur­freunde tref­fen, die gemein­sam mit dem Zug nach Cronberg fahren und dann über Falken­stein und dem Fuchs­tanz zu dem auf dem Gipfel des Feld­bergs hau­sen­den „Ungeheuer“ wan­dern. Gemeint ist der Feld­berg­wirt glei­chen Namens. Er wird im Gäste­buch immer wieder genannt:

Aus Helmut Bode: Das Feld­berg-Buch, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1985, ISBN 978‑3‑7829‑0303‑5

1894

darf erstmals eine Frau die meisten Taunusklub-Touren mitwandern.

1895

wird das „Neue Feld­berghaus“ mit dem Inhaber Friedrich Sturm aus Niederreifenberg eingeweiht.

Das Neue Feld­berghaus
Das „Neue Feld­berg­haus“. Inhaber: Friedrich Sturm, Niederreifenberg aus meinem Archiv

1896 / 97

baut Philipp Gutacker das dritte Feld­berghaus „Walküre“, Besitzer ist Jakob Ungeheuer aus Niederreifenberg.

Jacob Ungeheuer nennt sein Haus Walküre
Die „Walküre“.
Besitzer ist Jakob Unge­heuer aus Nieder­reifenberg Mein Archiv

1898, 22. September

Der Wirt des „Alten Feld­berg­hauses“, Johann Georg Daniel Ungeheuer, stirbt in Ober­reifen­berg. Zu den Hinter­blie­benen gehören Ehe­frau Agnes, geb. Wald­schmitt, 6 Töchter und 4 Söhne.

1898

Hier unkommentiert der Besuch des Prinzen von Wales, dem Sohn von Queen Vic­to­ria und späteren König Edward VII (1901 - 1910) im „Alten Feld­berghaus“. Es han­delt sich um denselben Prinzen, der in Hom­burg einen Hut für sich ent­deckte und anfer­tigen ließ. Der Hut wurde dann unter dem Namen Hom­burger oder Hom­burg bekannt.

Homburger-Hut
Homburger-Hut, Modell „Edward“ Frech Hutmanufaktur
Ein Prinz war zu Besuch.
Aus Touristische Mitteilungen, Jahrgang 1897 / 98, von Dr. Wilhelm Christian Lange aus Cassel (damals noch mit „C“ geschrieben)
Der Prinz von Wales war zu Besuch.
Gefunden hat das Susanne Eckermann

Erst­erwäh­nung Erbau­ung des Aus­sichts­turmes und Folge­zeit