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1939 - 1945: Zweiter Weltkrieg

Schneeräumdienst mit acht Pferden
1943 Auf der Stre­cke Sand­placken zum Feldberg wurde der Schneepflug von sechs Pferden gezogen und von weiteren zwei Pferden geschoben. Helmut Bode: Das Feld­berg-Buch, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1985, ISBN 978‑3‑7829‑0303‑5

2. De­zem­ber 1943

Ein in Erfurt mit Ziel Rhein-Main-Flughafen Frank­furt gestartetes deut­sches Militärflugzeug vom Typ Messerschmitt Bf 110, rammt im Nebel den Aussichtsturm auf dem Großen Feld­berg. Der Benzintank explodiert und der Turm brennt aus. Bei dem Unglück sterben die drei Flugzeuginsassen, die Ehefrau des Turmwärters Sofie Müller und deren Freundinnen Katharina Klappers und Anna Hartleb, ein Wehrmachtsfunker, außerdem 7 Mitglieder eines Bautrupps, der ausgerechnet an diesem Tag dort arbeitet.

Heribert Grambusch aus Ober­reifen­berg, der zweite Funker, hatte sich einen Tag Urlaub genommen. Normalerweise arbeitet er, wie sein Kollege, in der Radarstation des Fernsehturms und wohnt in einer Unterkunft im Aussichtsturm. Vergitterte Fenster versperren den Menschen den Weg nach draußen, sie müssen ersticken.

Im April 2017 lässt der Taunusklub Niederreifenberg eine Gedenktafel für Sofie Müller im Flur des Feld­berg-Aussichtsturms anbringen.

danach
Flugzeugabsturz 1943 Mein Archiv
Zur ewigen Erinnerung
In Memoriam Susanne Eckermann

1944

Am 20. Januar wird auf dem Großen Feld­berg eine Flak instal­liert. Die Flak­helfer werden am Schü­ler­heim des Goethe-Gymna­siums bei Ober­reifen­berg ver­pflegt. Reste des Mauer­werks, in das eine Gulasch­kanone einge­baut wurde, sind heute noch am Schüler­heim zu sehen.

Innerhalb eines Monats stürzen zwei deut­sche Militär­flug­zeuge in Feld­berg­nähe ab. Am 12. Okto­ber stürzt nahe dem Ober­reifen­berger Sport­platz eine Ma­schine in den Sang­küppel. Dabei sterben alle 6 Besat­zungs­mit­glieder. Und am 8. Novem­ber stürzt ein wei­te­res Flug­zeug unter­halb des Gip­fels, neben dem Fuchs­tanz­weg, zwi­schen dem Schüler­heim des Goethe-Gymnasiums und der Wege­kreu­zung ober­halb der „Heim­lichen Wiese“ in den Wald. Zwei Insas­sen kommen mit dem Leben davon, drei Sol­da­ten ster­ben.

Am 2. März 1945 12:10 Uhr

donnern mit beängs­tigen­dem Getöse P-47 Thunder­boldt-Ma­schinen der US-Streit­kräfte mit je zwei 1.000 Pfund-Bomben (=454kg) unter den Trag­flächen, dicht über die Dächer der Tau­nus-Gemein­de Ober­reifen­berg hin­weg und zer­stören Minuten später den großen Fern­melde­turm auf dem Gro­ßen Feld­berg. Die letzte Bombe soll es gewesen sein, die den Turm trifft und die oberen acht Stock­werke zer­stört. Es war die Holz-Kons­truk­tion von Pro­fes­sor Hans Soeder, die die Ausstrahlung von Fernsehbildern erleichtern sollte. Ziel des Angriffs war der von der deut­schen Luft­waffe 1944 errich­tete Stör­sen­der. Zum Zeit­punkt des Angriffs befinden sich weit über 100 Menschen auf dem Plateau. Keiner wird verletzt. Selbst Heri­bert Gram­busch, der im 10. Stock des Turmes als Funker arbeitet und seine Kol­legen in den Stock­wer­ken da­run­ter errei­chen recht­zeitig die Luft­schutz­räume.

Die Flak war schon vor dem Zeit­punkt des An­griffs wieder abge­zogen worden.

Das Feld­berg-Plateau nach dem Angriff
Der Berggipfel bietet nach dem Angriff einen trost­losen An­blick. Das Foto ist von Walter Elkins, Florida

29. März 1945

In Schmitten hat eine Kompanie von Fahnen­junkern aus Weil­burg den Rück­zug eines Zugs der 6. SS-Gebirgs­divi­sion Nord abge­schirmt.

Der damalige Lehrer der Gemein­den Schmit­ten und Dorf­weil, Hein­rich Albert Jäger, berich­tet in der Schul­chro­nik, dass bei erbit­terten Kämp­fen in Schmit­ten 94 Ameri­kaner gefal­len seien. (Andere Zeit­zeugen sprechen von 89 bzw. 91 getöte­ten ameri­kani­schen Solda­ten.) Lehrer Jäger ist auch unmit­telbar betrof­fen, da seine beiden Töch­ter, sowie eine pol­nische Zwangs­arbei­terin und ein älterer Zivi­list von Gra­naten getötet werden. Auch 27 deut­sche Solda­ten ver­lieren an diesem Tag ihr Leben bei Häuser­kämp­fen in Schmit­ten. Eine unbe­kannte Anzahl Männer ster­ben in Laza­retten.

(Sehr aus­führ­lich be­schreibt Helmut Hujer in seinem 2020 edierten Buch „Das Kriegs­ende im Tau­nus“ die Ereig­nisse in den Taunus­gemein­den im Früh­jahr 1945. Es gelang ihm, auch amerika­nische Quel­len zu den Vor­gängen zu fin­den. Daher konnte er einige Zeugen­aus­sagen von damals bestä­tigen oder korri­gieren. Nach amerika­nischen Schil­derun­gen der Kämpfe um Schmit­ten sind „nur“ 36 US-Solda­ten getötet oder verletzt worden.)

Autor Helmut Hujer
Das Buch kostet Euro 12,-. Bestellen können Sie es unter: Hujer.Helmut@t-online

30. März 1945 Karfreitag

Panzer der US-Army, vermutlich eine Kompanie des III. Bataillon des 417. US-Infan­teriere­giments, rattern ohne einen Schuss abzu­geben durch Ober­reifen­berg. Ein Mann hatte sich mit weißer Fahne schüt­zend vor das Dorf gestellt.

Am 31. März 1945 (Oster-Samstag)

werden die ersten Häuser in Ober­reifen­berg be­schlag­nahmt, Haus Marta, Haus Reifen­berg, in der fol­gen­den Woche auch das Haus Sieg­fried und das Schüler­heim des Goethe-Gym­na­si­ums, das aber nie von US-Sol­daten belegt wird. Auch einige Privat­häuser müssen geräumt werden.

Karsamstag, 31. März 1945

Amerikaner besetzen das Pla­teau den Großen Feld­bergs. Das XX. US-Corps richtet dort eine Funk-Relais­station ein.

4. April 1945

Drei Wochen lang, bis zum 25. April, werden im „Haus Reifen­berg“ und im „Haus Marta“ eng­lische Pi­lo­ten ein­quar­tiert. Einer der Offi­ziere berichtet im „Haus Marta“: „Wir waren schon einmal hier und sahen Menschen in euren Liege­stühlen ruhen und dachten, da müssen wir unbe­dingt unseren nächsten Urlaub ver­bringen.“ Schwar­zer, eng­lischer Humor!

19. September 1945

Die amerika­nische Militär­regierung vereinigt die ehe­mali­gen preußi­schen Pro­vin­zen Kur­hessen und Nassau sowie den Volks­staat Hessen-Darm­stadt zum Land ­. Der Name wurde am 1. De­zem­ber 1946 in Hessen umbe­nannt. Der Große Feld­berg ist somit hes­sisch.

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Erbauung des Feldberg-Aussichtsturmes Nach­kriegs­zeit